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Jerry Joseph
everything was beautiful
"Explosives Blut", zählt Jerry Joseph zu seinen wesentlichen Charakteristiken, das er auf seine Abstammung zurückführt. Der geborene Kalifornier ist Sohn eines libanesischen Vaters und einer irischen Mutter.
Seine Temperamentsausbrüche gepaart mit einigen Jugendsünden führten sogar zur Ausweisung aus Neuseeland, in dem sein alter Herr einige Jahre arbeitete.
"Ich habe Schwierigkeiten mit Leuten, die ihre Gefühle unterdrücken", erklärt der 38jährige. "Wenn die Wut aus jemandem herausplatzt, weiß ich wenigstens, es ist bald vorbei." Josephs heißblütige Natur hatte etliche tiefe Einschnitte in seinem Leben zur Folge, der entscheidenste war wohl seine jahrelange Selbstzerstörung und der schließlich erfolgreiche Kampf gegen die Sucht. Doch diesen Teil seines Lebens hat er - beinah - hinter sich gelassen: "Das ist ein alter Hut. Es ist doch selbstverständlich, dass man auf sich aufpassen muss. Meine Glaubwürdigkeit hängt nicht vom Drogenkonsum ab."
Bei seiner eingestandenen Neigung zu hitzigen Reaktionen überrascht Jerrys aktuelle Scheibe "Everything Was Beautiful" mit vergleichsweise entspannten Klängen in der Mitte von Folk, Country und Mid-Tempo-Rock. Seine Nische findet der untersetzte Singer/Songwriter irgendwo zwischen Steve Earle, Dwight Yoakam, Chris Whitley und John Lennon. Frühere Joseph-Songs wurden übrigens bereits von David Lindley, Widespread Panic und Schauspieler/Musiker Woody Harrelson gecovert.
In seinen bildhaften Texten nutzt der amerikanische Untergrund-Held "gerne religiöse und sexuelle Bilder. Außerdem schreibe ich über Drogen, was, wie gesagt, ziemlich langweilig ist." An seinen Worten zwischen Schmerz und Sehnsucht, zwischen menschlichen Bedürfnissen und tierischen Instinkten feilt der Perfektionist wochenlang, "Texte sind nun mal mein Ding".
Josephs musikalische Laufbahn begann mit Little Women, einer weißen US-Reggae-Band, die besonders Grateful Dead-Heads in ihr Herz geschlossen hatten. "Uns supporteten Combos wie Blues Traveller, Widespread Panic und Phish. Sie alle zogen an uns vorbei und wir schauten verwirrt zu", lacht er nicht ohne Ironie. Die Little Women existierten zehn Jahre bis 1992, danach war Jerry total ausgebrannt und fertig. Nach dem fälligen Entzug und etlichen branchenfremden Jobs fand er sich drei Jahre später in Montana wieder und hielt nach neuen Chancen Ausschau.
Aus heiterem Himmel kam das lukrative Angebot, eine Solo-Show in Salt Lake City zu spielen. Der energische Singer/Songwriter, der stets barfuß auf der Bühne steht, packte die Gelegenheit beim Schopf und zog in den Mormonen-Staat. Nachdem er mit offenen Armen empfangen wurde, gründete er kurz darauf die Jackmormons. "Unser Name sollte allen zeigen, wir sind die Band aus Utah", grinst er. In fünf Jahren machte die Band vier Alben und erarbeitete sich einen guten Ruf als taffe, vielseitige Rock-Combo. "Wir sind wesentlich aggressiver als meine alte Gruppe. Es war eine harte Zeit, wir spielen immer noch 250 Nächte im Jahr." Inzwischen haben die Jackmormons jedoch den Staat verlassen, dem sie ihren Namen verdanken, und zogen nach Portland, Oregon, dessen Szene Joseph als " sehr innovativ" empfindet.
Der Titel seiner neuen Solo-CD "Everything Was Beautiful" stammt vom amerikanischen Autor Kurt Vonnegut. "Irgendwo in seinen Büchern beschreibt er ein Grab, auf dem steht: "Everything was beautiful, nothing hurt." Das war eine sehr gute Idee, fand ich", sagt er, wiederum nicht ohne Ironie.
Produziert wurde das Werk von Folk Rock-Überflieger Pete Droge. "Er spielt auf jedem Track. Neben ihm mischen auch der texanische Gitarrist Ian Moore und Pete Strout von der Sheryl Crow Band mit", berichtet Joseph. "Pete Drogeist ein ausgesprochen gradliniger Typ. Ich traf ihn als ich zwanzig war, später spielte er eine Weile in meiner Band. Mit seiner Erfahrung konnte er mir coole Tipps geben."
Jerry Joseph ist ein Mann der Straße, er liebt das Gefühl unterwegs zu sein. "Das ist ein weiteres Merkmal von mir, ich bin überall der "special guest". Bevor die Alltagsroutine einsetzt, sage ich ciao. Ich bin nirgendwo lange genug, um den Leuten auf die Nerven zu fallen."
"Setzt krude Textmetaphern neben sanfte Saitenklänge, liebt und leidet leidenschaftlich, fesselt mit rheumatischem Country, rachitischem Soul und retardiertem Folk voller Brüche und musikalischer Verweise auf Jackie Wilson, Marvin Gaye, Elvis und Pink Floyd"
FACTS, Schweiz
"Die unselige, mit wenigen Strichen skizzierte Figur des "1936 Jesus" blitzt im Sperrfeuer aus E-bow und Synth-Static, eine Pedal-Steel lässt Sarkasmus auf den traurigen "King of Love" tropfen wie dicken Honig aufs Butterbrot, die Dobro von Gast-Gitarrist Ian Moore umzüngelt den Fanatismus, der sich da oben im "Mountain Home" bald unheilvoll entladen wird."
-Rolling Stone"
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