 |
|
|
ulfTone » artists » John Trudell
John Trudell
blue indians
Wer den Namen John Trudell hört, denkt an einen Dichter, einen Kämpfer für die Rechte der amerikanischen Eingeborenen, einen wortgewandten Redner und einen extrem effektiven Kommunikator. Trudell nennt sich selbst einen "Blue Indian" und in der Tat ist er das Ergebnis all dessen, was er in den 53 Jahren seines Lebens gesehen, ertragen und geleistet hat. Ein großer Teil seiner Lebenserfahrung wird in Trudells aktueller Arbeit "Blue Indians" widergespiegelt. "Das Album handelt von der technischen Welt als einem industriellen Reservat" erklärt Trudell. "In dieser Zeit spielt jeder die Rolle der Indianer mit ihren Gefühlen und Attitüden." Produziert von seinem langjährigen Freund Jackson Browne repräsentieren die neuen Songs Trudells jüngste unabhängige Arbeiten.
John Trudell plante nicht, Poet zu werden. Er schlug diese Laufbahn auf Grund einer Reihe von Umwegen und manchmal schrecklichen Umständen seines Lebens ein.
Am 15. Februar 1946 in Omaha, Nebraska geboren, wuchs Trudell in der Nähe des Santee Sioux Reservates auf. Sein Vater war Santee, die Stammwurzeln seiner Mutter lagen in Mexiko. Trudell mußte sich schon in jungen Jahren mit einem harten, ärmlichen Leben abfinden. Seine Mutter starb, als er 6 war, und hinterließ eine große Familie, für die der Vater sorgen mußte.
Während der darauffolgenden Jahre wuchs Trudells Verachtung für den "American Way of Life" mit all seinen Verbrechen in Bezug auf Armut und Rassismus. 1963 fand sich Trudell beim Militär wieder. "Ich ging aus ökonomischen Gründen und entschied mich für die Navy, da ich die Chancen, eine lebende Zielscheibe zu werden, minimieren wollte. Aber die Erfahrung lehrte mich, daß all das, was mir als Indianer, einem Gefangenen Amerikas, zustieß, auch anderen überall auf der Welt geschah." Die Fortsetzung seiner Geschichte liest sich wie folgt:
1967 1969: Jobs, Schule, Desillusionierung.
1969 fand sich Trudell dann an der Front einer Versammlung, die dazu führte, daß sich die breite Masse der Indianer ihre Notlage bewußt machte. Diese Versammlung war die "Indians of All Tribes Occupation of Alcatraz". "Von der Zeit, bei der ich beim Militär war, bis Alcatraz, war ich von meinen indianischen Wurzeln und Verbindungen gänzlich abgeschnitten. Also ging ich dort hin, um etwas zu finden, und ich fand einen Haufen anderer Menschen wie mich. Und wir hatten nicht aufgegeben, wo auch immer unsere Schwächen lagen."
Nationale und internationale Medien kamen auf die Insel, um von der Geschichte zu berichten. Mit der Aufmerksamkeit der Medien kam die der amerikanischen Regierung,
speziell die des FBI´s. "Ich nutzte die Unterstützung der nicht eingeborenen Gemeindeinstitutionen, uns zu erlauben, was wir taten", sagt Trudell, der als nationaler Sprecher für die Besitzansprüche der Indianer agierte. "Die Regierung bezeichnete uns als Militante, um uns in der Öffentlichkeit in Mißkredit zu bringen."
Die Besetzung endete schließlich 1971, aber etwas Dauerhafteres würde es letztendlich ersetzen: das American Indian Movement, A.I.M. Trudell war nationaler Vorsitzender von 1973 1979; mit dieser hohen Position kam zunehmendes Interesse der US-Regierung, vor allem des FBI, welches eine 17.000 Seiten umfassende Akte unter seinem Namen zusammengetragen hat. Die Antwort der Regierung auf das A.I.M. war kurz und brutal: wie Trudell in seinen eigenen Worten sagt, "Sie erklärten uns den Krieg. Sie jagten uns. Sie töteten, verhafteten und zerstörten mit allen Mitteln, die sie für nötig hielten."
1979 zollte Trudell diesem Krieg ein furchtbares, persönliches Tribut in Form einer fast unaussprechlichen Tragödie, die sein Leben für immer verändern sollte. Während er im Springfielder Gefängniskrankenhaus im Januar 1978 eingekarzert war, wurde ihm nahegelegt, aufzupassen, was er in der Öffentlichkeit sage, oder besser "gar nichts mehr zu sagen." Am 11. Februar 1979 führte Trudell einen Marsch gegen das FBI-Hauptquartier in Washington an. Er hielt eine Rede über den Krieg des FBI gegen Indianer und verbrannte eine Amerikanische Flagge, die er durch die rassistischen Ungerechtigkeiten der US-Regierung für entheiligt hielt. Etwa 12 Stunden später in den frühen Morgenstunden brannte ein Feuer von "mysteriöser Ursache" Trudells Haus im Shoshone Paiute Reservat nieder. Bei dem Feuer wurden seine Frau Tina, ihre drei Kinder und Tinas Mutter getötet. Das Büro für Indianerangelegenheiten nannte das Feuer einen "Unfall" und das FBI weigerte sich, den Fall weiter zu untersuchen. Trudell meint lakonisch: "Es war Mord. Sie wurden als Kriegsakt ermordet."
Durch den Verlust seiner Familie am Boden zerstört, kehrte Trudell der Welt den Rücken zu. "Geschriebenes" wurde sein Kontakt zur Außenwelt und seine Art "klar zu bleiben" und zu überleben. "Die Schriftstellerei, die Poesie kamen für mich völlig überraschend. Ich hatte politisch geschrieben, in Form von Reden, aber nichts, was ich auch nur annähernd für Poesie hielt. Aber ungefähr sechs Monate nach dem Feuer, als es mir richtig schlecht ging, kamen die ersten Zeilen aus mir heraus. Die Zeilen waren meine Bomben, meine Explosionen, meine Tränen, sie waren mein Alles. Graduell versuchte ich, sie in meinen Reden einzubinden, und fragte mich, "Ist das mein eigener, persönlicher Wahnsinn oder etwas, was die Leute verstehen werden?"
Was als eine Art Therapie begann, wurde bald zu wesentlich mehr: Die Worte flossen nur so aus Trudell heraus und seine Werke kamen hervorragend an. 1981 veröffentlichte Trudell ein Buch mit Gedichten, "Living in Reality", 1982 hatte er sich jedoch entschieden, seine Gedichte mit Musik zu verbinden. "Im April oder Mai 1979 traf ich Jackson Browne in New Mexico. Er gab mir Platz, mich in seiner Welt umzuschauen. Ich war in der Nähe von Tonstudios und Musikern und ich mochte immer schon Rock´n´Roll. Ich fing also an, Gedichte mit der ältesten, traditionellen Musikform zu verbinden und später mit modernen Sounds." Erst kam die Aufnahme, "Tribal Voice" in Jackson´s Studio mit Trommeln und Gesängen. Später, nachdem er Jesse Ed Davis getroffen hatte, kam der Rock´n´Roll.
Jesse Ed Davis, selbst ein Kiowa aus Oklahoma, war eine musikalische Legende. Er begann seine Karriere 1966 und spielte mit jedem, der in seine Nähe kam. Jesse hat mit solchen Größen wie Eric Clapton, Bob Dylan, Rod Stewart, John Lennon, Jackson Browne (das unvergessene Gitarrensolo in Brownes erstem Hit "Doctor My Eyes" spielte Davis), Taj Mahal und vielen anderen. Sein tiefes Verständnis für Blues und Rock´n´Roll war genau das, wonach Trudell gesucht hatte. "Als wir uns 1985 trafen, nannte er seinen Namen und sagte: "Ich kann Musik für Deine Worte machen." Jesse und ich kamen von der selben kollektiven Erfahrung, Indianer zu sein. Wir waren beide bis zur letzten Tür der Hölle gekommen, hatten sie geöffnet und gesehen, was dahinter lag."
Die Trudell- und Davis- Union von Poesie und Dichtung ergab einen kraftvollen, instinktgesteuerten Sound, der sich 1986 in einem ersten, gemeinsamen Album namens "AKA Graffiti Man" manifestierte. Das Album, welches auf Trudells eigenem Label und nur als Cassette erschien, wurde trotz seiner limitierten Verbreitung extrem bekannt. In einem Interview mit dem Rolling Stone nannte Bob Dylan "AKA Graffiti Man" das "beste Album, das 1986 erschienen ist" und ließ das Album in den Umbaupausen seiner 1987er Tournee laufen.
Trudell und Davis veröffentlichten zwei weitere Alben, bevor Davis 1988 plötzlich und unerwartet verstarb. Trotz seines Schocks über den Tod seines musikalischen Blutsbruders zwang sich Trudell weiter zu machen. Er begann, mit Mark Shark, dem Rhythmusgitarristen der Graffiti Band, zu arbeiten. "Als Jesse starb, machte Mark da weiter, wo er aufgehört hatte. Es war ein natürlicher Prozeß. Die Musiker haben sich verändert, aber wenn Du Mark hörst, denkst Du, daß Jesse Ed aus ihm spricht."
Mit seinem aktuellen Album "Blue Indians", produziert von Jackson Browne, kommt Trudells krafvolle Fusion von Musik und Poesie aus dem Herzen und Geist eines "Blue Indian". "Ich sehe eine echte Zukunft für gesprochene Worte mit Musik. Poesie basiert auf den ältesten oralen Traditionen. In der Musik werden Texte nach der Mathematik der Musik geschrieben; Poesie läßt uns schreiben, was wir sagen wollen. Für mich ist es ein Abgrund von einem Unterschied."
"Ich bin nur ein Mensch, der versucht, in einer Welt zu überleben, die immer mehr das Verständnis verliert, menschlich zu sein."
"Nicht von dieser Welt"
Die Zeit
"Brownes Production gives an admirable, less-is-more warmth and palatability to the sound and texture"
-Mojo
"Die Authentizität ist geradezu körperlich zu spüren"
-Frankfurter Allgemeine
========================================
nach oben
|
|

|
 |